Warum ich schreibe

Eine Frage, die schon so oft gestellt wurde, dass ich mir wirklich Gedanken dazu gemacht habe!

… dass sich immer sehr bemühte. Sie kritzelte auf die Blätter, als wenn ihr Leben davon abhängen würde, gab Schularbeiten und Aufsätze immer als Letzte ab. Oft warteten die Lehrerinnen und Lehrer ganz ungeduldig an ihrem Platz und zogen mehr als einmal das Heft unter ihrem Stift weg. Die anderen Kinder machten sich hinter ihrem Rücken über sie lustig und gaben ihr Spitznamen wegen ihrer unleserlichen Handschrift und den tintenverschmierten Fingern.

Ich erinnere mich an einen Tag, als die Professorin die Noten zur mehrstündigen Schularbeit bekanntgab. Das Mädchen war sehr nervös, sie hatte sich gut vorbereitet, die vorgegebenen Themen gründlich und gewissenhaft recherchiert und saß nun ganz unruhig auf ihrem Platz. Vor Aufregung hatte sie rote Flecken im Gesicht, jeder konnte sehen, wie bang ihr zumute war.

Als die Lehrerin ihre Note vorlas, wurden ihre Augen wässrig. Sie war enttäuscht, die Benotung war schlechter ausgefallen, als befürchtet.

„Aber warum denn? Ich habe mich doch so bemüht!“, flüsterte sie.

„Die Vorgabe war eine Ausführung in acht bis zehn Seiten“, erklärte die Professorin in mütterlichem Ton, „du hast mir siebzehn abgegeben.“

„Ja, aber es ist doch eine gute Geschichte, alles ist klar strukturiert und aufgegliedert und wie verlangt mit Verweisen versehen!“, versuchte das Mädchen sich mit tränenerstickter Stimme zu verteidigen.

„Das mag schon sein“, seufzte die Lehrperson über das Gemurmel in der Klasse hinweg. Schon so oft hatten sie dieses Thema diskutiert. „Du hast einen schönen Bogen geschrieben, in bunten Bildern eine tolle Geschichte gemalt und ich fand das, was ich lesen konnte, wirklich sehr ansprechend! Aber das ist das Problem: Ich konnte einfach nicht alles lesen, du kritzelst nur noch! Deswegen konnte ich dir keine bessere Note geben.“

„Ich musste mich doch beeilen, damit ich fertig werde!“

„Dann halte dich kürzer, schreib einfach weniger, Naomi!“

Warum ich schreibe?

Weil ich möchte, dass auch du diese faszinierende Welt kennenlernen und dich mit den Menschen dort ebenso anfreunden kannst, wie ich!

Immer schon war mein Kopf voll mit Geschichten und ich teilte sie gern mit dem Papier.

Meine Professoren von damals ermutigten mich während der Schulzeit, abseits der geforderten Strukturen zu schreiben. Ein bisschen Lyrik entstand, außerdem bastelte ich an einem Roman für Jugendliche. Doch fehlte mir einfach das zündende Etwas, um es weiter zu bringen, als bis über die ersten paar Kapitel hinaus. Die Idee vertrocknete, das Projekt erstarb.

Doch der Wunsch, eine eigene Geschichte zu schreiben, blieb und er wuchs mit jedem Buch, dass ich las!

Im Frühling 2017 ließ mich eine Idee nicht mehr los und ich fing einfach an, zu schreiben. Erst als ich schon mitten drin steckte in diesem Vorhaben, schaute ich mich um, was denn andere Autoren machen und las vom Plotten, von Entwürfen und Strategien. Verunsichert überlegte ich, ob ich die Sache richtig angegangen war und war schon kurz vorm Aufgeben.

Aber die Geschichte, die aus der Idee gewachsen war, packte mich fester und zog mich weiter hinein in diese neue Welt. Seitdem begleitet mich Die Wächterin, breitet ihre Abenteuer langsam vor mir aus und hält inne, damit ich niederschreiben kann, was ich erlebe.  Sie wartet geduldig, wenn ich vom Alltag überrollt meinen Laptop nur im Vorbeigehen ansehe, und ruft sich leise in Erinnerung, wenn ich meinen beiden Kindern bei den Hausübungen zusehe.

Ich möchte dich mit auf eine Reise nehmen,

traust du dich, mir deine Hand zu reichen?

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