"Wo glaubst du, dass du hin gehst?!"

Leseprobe

Was wird aus Christian?

Sein Name fegte alles aus ihrem Kopf. Jeden Zweifel, jedes Zaudern, auch nur den leisesten Hauch eines Zögerns.

Grace stand auf, eilte zu ihrer Truhe und zog sich an. Rasch schlüpfte sie in ihr Wams. Sie fingerte an den Schließen herum, während sie in ihren Gedanken Dotty um ein paar Dinge bat.

Im Zimmer des Kämmerers waren ihre Waffen verstaut, ebenso Christians. Sie hob ihr kleines Bastardschwert auf, wog es in der Hand. Leise vor sich hin fluchend versuchte sie, sich den neuen Schwertgurt umzuschnallen, doch das Leder war noch steif und sie zu ungeduldig.

„Argh!“, entfuhr ihr ein frustrierter, unartikulierter Seufzer. Grace nahm den Gurt und das Schwert in die eine, den Dolch in die andere Hand und stapfte zurück in Christians Schlafgemach. Wütend sah sie auf das starre Leder hinab.

„Wo glaubst du, dass du hin gehst?!“

Grace erschrak, ließ die Sachen beinahe fallen.

Christian stand mitten im Raum, Dotty sah sie entschuldigend an und zuckte mit den Schultern. Die Satteltasche hing schwer über ihrem Arm.

„Glaubst du wirklich, du könntest dich einfach so davonschleichen?“, fragte Christian vorwurfsvoll.

„Sieh dir doch ihren Blick an!“

Grace fuhr herum, Treidis saß am Tisch und schlürfte seinen Rakka. Er trug seinen Mantel, die Handschuhe hatte er auf dem Tisch abgelegt. Langsam sah er zu Grace herüber:
„Wir kennen diesen Blick, meine Liebe, … nur zu gut!“

Sie versuchte, das enttäuschte Seufzen zu unterdrücken.

Mit „niemanden in Gefahr bringen“ ist wohl nichts mehr!

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